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Rogger Franziska:
Kinder, Krieg und Karriere. Selbstbildnisse aus der Mitte des 20. Jahrhunderts.
Mit Bildern, Bern 2016.

«Anregend: Franziska Rogger legt Porträts bernischer Akademikerinnen vor, die Neuland betreten haben. Sie könnten unsere Mütter oder Grossmütter gewesen sein: diese 27 Frauen, geboren zwischen 1898 und 1926. Die Historikerin Franziska Rogger Kappeler, 1949 in Luzern geboren und seit langem in Bern lebend, interviewte Ende der Neunzigerjahre jene Frauen, deren Biografien Eingang in die neue Publikation gefunden haben. Diese bürgt für eine fesselnde Lektüre, sodass man das Buch gar nicht mehr zur Seite legen mag.  ...  So steckt dieses Buch voller Informationen, Anregungen und Lebenseinsichten. Hart haben diese Frauen gearbeitet und viele Hindernisse überwunden – zumal jene, die aus einem bildungsfernen Milieu stammten. Nur: Ducken durfte man sich nicht, wie Ellen Beer energisch mahnte.»
Beatrice Eichmann-Leutenegger in: Der Bund, 2.7.2016. http://www.derbund.ch/kultur/buecher/Man-darf-sich-nicht-ducken/story/21430971

« Authentische Berichte von Berner Akademikerinnen. Auf der strapaziösen Suche nach Arbeit wanderten Frauen um die halbe Welt», schreibt die Historikerin Franziska Rogger in ihrem neuen Buch «Kinder, Krieg und Karriere». Es enthält in den Neunzigerjahren geführte Interviews mit 27 betroffenen Berner Akademikerinnen, die vor dem Zweiten Weltkrieg studiert hatten. Fast alle sind unterdessen gestorben. Die 1930er und 1940er-Jahre waren vor dem Zweiten Weltkrieg von Arbeitslosigkeit geprägt. Selbst Männer hatten Mühe, eine Stelle zu finden. Deshalb wollten die meisten ihre Frauen am Herd behalten, was auch der dominierenden Rollenverteilung entsprach. Die Theologen liessen Frauen nicht auf die Kanzel, der Anwaltsberuf stand Frauen erst ab 1923 offen. Lehrerinnen erhielten keine Beamtenstellen in Vollzeit, sondern mussten sich mit Teilzeitstellen oder Stellvertretungen zufrieden geben. Sie würden ja doch nur für kurze Zeit arbeiten, bis sie den «richtigen Mann» gefunden hätten. Lehrer-Ehepaaren war das Doppelverdienen verboten – ausdrücklich zu Lasten der Frauen. Das Eidgenössische Politische Departement stellte selbst Juristinnen nur als Stenotypistinnen an – auch zum entsprechend tiefen Lohn. Die spätere Bundesratsgattin Irma Tschudi erhielt überhaupt keinen Lohn mehr, als ihr Mann genug verdiente, da dieser (Soziallohn!) ja für eine Familie reiche.  ... Nach dem Krieg wollten die Männer des Aktivdienstes wieder zurück an ihre angestammten Karriereposten. Einige der interviewten Frauen kämpften für das Frauenstimm- und -wahlrecht, dessen nationale Einführung sie erst im Jahr 1971 erlebten.