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Rogger, Franziska: «Gebt den Schweizerinnen ihre Geschichte!»
Marthe GosteIi, ihr Archiv und der übersehene Kampf um das Frauenstimmrecht. Zürich NZZLibro 2016

Das Buch hat drei Teile  
1 Die unterschlagene Geschichte der Schweizer Frauen. Darin wird von der SAFFA 1928 an die Geschichte der Schweizerischen Frauenvereine bzw. der Schweizerinnen erzählt. Dabei wird gezeigt, dass der Stimmrechtskampf insbesondere mit seinen taktischen, emotionalen und rechtlichen Dimensionen eine besondere Stellung einnahm. Doch er war nicht da ganze Leben der Schweizerinnen. Ein Ausblick umfasst auch das Geschehen nach 1971.  

2 Das Leben der Marthe Gosteli und ihr Frauenarchiv Als Beispiel, wie eine Schweizerin im 20. Jahrhundert lebte, wird die Geschichte Marthe Gostelis erzählt. Dabei geht es nicht einfach nur um Privates und Individuelles. Es zeigt im Kontext, welche Folgen eine für Mädchen und Knaben gesonderte Schulbildung hatten. Oder wie sich beispielsweise rechtliche Zementierungen auf eine einzelne Frau auswirkten. Oder was es hiess, wenn Schweizerinnen nicht in wirtschaftliche und finanzielle Gegebenheiten eingeübt und von finanziellen Geschäften fern gehalten wurden.

3 Vom Familienverbund zur individuellen Persönlichkeit Da die Quellenlage bei der Familie Gosteli exzellent ist, wird im dritten Kapitel anhand dieser Familie dargestellt, wie die Schweizerin als eng eingebundenes Mitglied eines Familiensippe, die gleichzeitig ein wirtschaftliches KMU darstellt, sich zur individuellen Persönlichkeit mit eigenem Beruf und Leben verändern muss – und kann. Mit Seitenblicken auf die Ereignisgeschichte der Schweiz und Hinweisen auf die internationale Frauenbewegung endet das Kapitel wieder bei der SAFFA 1928.


Besprechungen

Vorschau NZZLibro:

"Ausgehend von vielfältigen Archivakten deckt Franziska Rogger auf, dass die wissenschaftliche Geschichtsschreibung an den Schweizer Universitäten den Frauenstimmrechtskampf falsch darstellt, da sie insbesondere die dem Kampf vorangehenden Hauptakten nie eingearbeitet hat. Mit diesem mangelhaften Verfahren wurde den Schweizer Frauen ihre eigenständige Geschichte recht eigentlich unterschlagen. Die Autorin stellt die weibliche Welt in einem Längsschnitt seit dem 18. Jahrhundert dar. Gleichzeitig zeichnet sie die Entwicklung von Marthe Gosteli [als Beispiel] von der eng mit der Familie verbundenen Frau zur individuellen Persönlichkeit und engagierten Kämpferin für das Frauenstimmrecht nach. Neu ist dabei, dass die Ereignisse aus weiblicher und männlichen Augen gesehen und kommentiert werden. Ohne ideologische Sichtweise wirft sie in der Darstellung der politischen Kämpfe, die sowohl von sozialdemokratischen wie bürgerlichen Frauen einmütig durchgefochten wurden, Seitenblicke auf weitere internationale und nationale Denkweisen."

Katharina Kellerhals, 46 BEZG W 04/16:

Die Berner Historikerin Franziska Rogger versteht ihre Schrift als «Plädoyer für eine seriöse Geschichtsschreibung», die sie insbesondere bei wissenschaftlichen Abhandlungen zur Geschichte der Frau, genauer bei der Aufarbeitung des Frauenstimmrechtskampfes von 1959 und 1971 vermisst. So zeigt sie auf, dass die im Gosteli-Archiv gelagerten «Hauptquellen» der Arbeitsgemeinschaft der Frauenverbände, bei der sämtliche Fäden zu den nationalen Frauenstimmrechts-Abstimmungen zusammenliefen, bisher weder eingesehen noch ausgewertet worden seien. [...] Rogger erzählt und dokumentiert minutiös den beschwerlichen Kampf der Schweizer Frauen für ein Stimm- und Wahlrecht und weitere rechtliche Anliegen zur Gleichberechtigung - der chronologische Bogen reicht von 1928, als sich die «Stimmrechtsschnecke» anlässlich der Eröffnungsfeier der SAFFA in Bewegung setzte, bis hin zur Nichtwahl Christiane Brunners, der zweiten Bundesratskandidatin, die 1993 von der Bundesversammlung nicht gewählt wurde. [...]